Protestaktion, Donnerstag, 21. Mai 2026 am Römer – Bildungsgerechtigkeit jetzt sichern
Apell
Keine Kürzungen durch die Hintertür. Wir brauchen eine konsequente Stärkung der Jugendhilfe in Schule, um
Bildungsgerechtigkeit zu gewährleisten, soziale Ungleichheit wirksam abzubauen, Kinderschutz zu sichern und
Partizipation zu fördern.
Die KUBI Gesellschaft für Kultur und Bildung gGmbH schließt sich dem aktuellen Protestaufruf an. Gemeinsam wollen wir am Do, 21. Mai um 15 Uhr am Römer ein Zeichen setzen für Bildungsgerechtigkeit! Mehr Infos zum Orga-Team „AG Protest“ weiter unten.
Hintergrund
In der vorläufigen Haushaltsführung wurde der Antrag der AG 78 und des Stadtschulamtes auf Anhebung des POA
Mittelwerts des Förderprogramms Jugendhilfe in der Schule abgelehnt. Das Ausbleiben der Anpassung und die
Fortführung des Finanzierungsmodells aus dem Jahr 2020 hat verheerende Folgen für alle Kinder und Jugendliche in
Frankfurt. Eine akute Gefährdung des Rechts auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben besteht für alle Schüler:innen
an Förder-, Grund-, Haupt-, Real- und Gesamtschulen in Frankfurt.
Zentrale Forderungen der AG Protest
- Finanzierung sichern und realistisch anpassen
Die Stadt muss die Finanzierung der Jugendhilfe in Schule endlich an die aktuellen Bedarfe anpassen.
Rücknahme der Ablehnung der Mittelanpassung
Dynamisierung der Finanzierung, damit Kostensteigerungen künftig automatisch berücksichtigt werden
Verlässliche Finanzierung als Grundlage für das Recht auf Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen - Bildungsgerechtigkeit statt struktureller Benachteiligung
Klare politische Abkehr von Maßnahmen, die soziale Ungleichheit verstärken
Stopp aller Kürzungen, insbesondere bei Binnendifferenzierungsstunden und Sozialindex
Konsequente Ausrichtung aller Maßnahmen auf Chancengleichheit und Teilhabe
Förderprogram Jugendhilfe in der Schule - Jugendhilfe an Förderschulen
Zwei zusätzliche Vollzeitstellen an jeder Förderschule
Personelle Aufstockung von zwei Vollzeitstellen der Jugendhilfe, um individuelle Unterstützungsbedarfe und
Kinderschutz flächendeckend abzudecken
Schaffung echter Begegnungsräume für gelebte Inklusion
Perspektivwechsel: Weg von Ausgrenzung – hin zu inklusiven Bildungsstrukturen - Jugendhilfe an Haupt-, Real-, und Gesamtschulen stärken
Sofortige Anhebung des POA-Mittelwerts1 auf den Stand von 2024
Erhalt und Ausbau von freizeitpädagogischen Angeboten, die soziale Teilhabe ermöglichen
Erhöhung der Koordinationsstunden von 6 auf 10, um Qualität, Kinderschutz und Beteiligung zu gewährleisten
Mindestens zwei Fachkräfte ab Projektstart an Schulen im Aufbau
Die angekündigten Kürzungen am Sozialindex sind zurückzunehmen. Sie gefährden schulische
Fördermaßnahmen, Lehrstellen und die Zusammenarbeit zwischen Schule und Jugendhilfe. Das
Förderprogramm der Jugendhilfe ist genauso gefährdet, wenn die Jugendhilfe die Schule unterstützt und
dabei kompensatorische Maßnahmen ergreift.
Die Jugendhilfe kann wegfallende Ressourcen nicht kompensieren. Deshalb braucht es eine verlässliche,
bedarfsgerechte finanzielle Planungssicherheit, um die Angebote zur Partizipation und Chancengleichheit für
Schüler*innen zu sichern. - Jugendhilfe an Grundschulen bedarfsgerecht ausstatten
Verdopplung der personellen Ausstattung (von 50 % auf 100 %)
zusätzliche (Vollzeit)-Stellen an jeder Grundschule berechnet anhand der Schüler*innenzahlen
Vollzeit-Koordinationsstellen an allen Grundschulen
Frühzeitige Förderung als Schlüssel für langfristige Bildungsgerechtigkeit
Erläuterungen:
1 durchschnittlicher kalkulatorischer Personalkostensatz pro VZÄ (Vollzeitstelle)
inklusive: Bruttogehalt (TVöD-ähnlich)/ Arbeitgeberanteile Sozialversicherung/ ggf. Zuschläge/Gemeinkosten (teilweise)

Wer protestiert hier genau?
Selbstverständnis der AG Protest
Für eine verlässliche und bedarfsgerechte Finanzierung der Kinder- und Jugendförderung in
Frankfurt am Main.
Wer wir sind – und was uns verbindet
Wir sind die AG Protest, der Zusammenschluss freier Träger der Offenen Kinder- und
Jugendarbeit (OKJA), der Jugendverbandsarbeit und der Jugendhilfe in der Schule in
Frankfurt am Main. Unser Zusammenschluss steht für Solidarität statt Vereinzelung und für
eine klare politische Positionierung für eine bedarfsgerechte soziale Infrastruktur. In
Frankfurt gibt es eine große Vielfalt an Trägern, mit unterschiedlichen fachlichen
Schwerpunkten und Arbeitsansätzen. Trotz unterschiedlicher Trägerstrukturen und
Zielgruppen stehen wir vor denselben strukturellen Herausforderungen: eine nicht
bedarfsgerechte Finanzierung, steigende Anforderungen und eine zunehmende Diskrepanz
zwischen fachlichem Anspruch und realen Möglichkeiten.
Gesellschaftliche Entwicklungen und ihre Folgen
Junge Menschen sind heute mit einer Vielzahl existenzieller Belastungen konfrontiert: den
Langzeitfolgen der Corona-Pandemie, wachsender Kinder- und Jugendarmut, immense
Herausforderungen im digitalen Raum, Diskriminierungen1, globalen Krisen wie Klimawandel
und Kriegen u.v.m. Für viele sind Sicherheit, Stabilität und die Zukunftsperspektive brüchig
geworden. Die Folgen zeigen sich in zunehmenden psychischen und körperlichen
Erkrankungen, sozialer Isolation und einer sinkenden Identifikation mit Gesellschaft und
Politik. Parallel nimmt soziale Spaltung zu und antidemokratische Haltungen erstarken.
Gerade hier bietet die Kinder- und Jugendförderung zentrale Orte, um junge Menschen zu
stärken, demokratische Werte erfahrbar zu machen und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu
fördern.
Wir kennen die Lebensrealitäten von Kindern und Jugendlichen in Frankfurt und erfahren
ihre Bedürfnisse, Sorgen, Ängste sowie Stärken und Potenziale. Während die Bedarfe junger
Menschen an Begleitung, Unterstützung und Schutz deutlich ansteigen, führen
Tarifsteigerungen und steigende Sachkosten dazu, dass Angebote nicht ausgeweitet, sondern
abgebaut werden müssen.
Warum wir protestieren – eine kurze Historie
Die AG Protest wurde 2019 als Unter-AG der freien Träger der AG §78 SGB VIII „Kinder- und
Jugendarbeit“ gegründet. Anlass war die ausbleibende Berücksichtigung eines Antrags des
Jugendhilfeausschusses auf zusätzliche Haushaltsmittel, welche bereits seit mehreren Jahren
nicht erhöht wurden und dies einer faktischen Kürzung gleichkam. Die Gründung der AG
Protest war eine bewusste Reaktion auf das jahrelange politische Ignorieren fachlich
begründeter Bedarfe.
Seitdem begleiten wir viele Sitzungstermine der Stadtverordnetenversammlung mit
Aktionen, Kundgebungen und Demonstrationen. Unsere Protestformen sind vielfältig und
wurden teilweise gemeinsam mit unserer Zielgruppe weiterentwickelt. Unser Engagement
hatte Wirkung: 2024 wurden Zuschusserhöhungen beschlossen. Dadurch konnte kurzfristig
die flächendeckende Schließung von Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit
sowie eine Angebotsreduktion der Jugendverbandsarbeit verhindert und eine einmalige
Zuschusserhöhung der Jugendhilfe in Schule erwirkt werden.
Es braucht aber weiterhin den politischen Willen, für Frankfurter Kinder und Jugendliche ein
belastbares Fundament der Kinder- und Jugendförderung zu schaffen, um die Arbeit
verlässlich und dauerhaft zu gestalten.
Unsere Ziele und Forderungen
- Eine dauerhafte, bedarfsgerechte und dynamisierte Finanzierung der Kinder- und
Jugendförderung, die Tarifsteigerungen, Inflation und steigende Bedarfe realistisch
abbildet - Eine partizipative, aktualisierte und bedarfsgerechte Jugendhilfeplanung
- Sichere Arbeitsbedingungen statt projektbezogener Befristungen
- Gleichbehandlung aller Träger bei Finanzierung und Ausstattung
- Politische Verantwortung statt symbolischer Anerkennung, Wertschätzung muss sich
in Haushaltsentscheidungen widerspiegeln - Investitionen in junge Menschen und Präventionsarbeit statt Sparzwänge
- Entbürokratisierung, damit mehr Zeit für pädagogische Arbeit bleibt
Eine demokratische Stadt braucht sichere Orte für junge Menschen. Wer hier spart,
gefährdet die soziale Teilhabe und die Demokratiebildung junger Menschen sowie den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
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