Geflüchtet oder zugewandert: „Kontaktstudium“ verbessert Anerkennung und berufliche Möglichkeiten
Frankfurt am Main, 30. Juni 2026 – „Diese Qualifizierung ist einfach wunderbar. Ich bin sicher, dass mir das Abschlusszertifikat jetzt Türen öffnet“, berichtet glücklich Arya Al Mahmood, 39 Jahre, die in Syrien bereits ein Studium der Philosophie und der Erziehungswissenschaften absolviert hat. „Ich habe vor, neben meiner aktuellen Arbeit im Sozialbereich weiter zu studieren und meinen Master zu machen.“
Gemeinsam mit Arya haben rund 20 höher qualifizierte Frauen und Männer aus Syrien, Afghanistan, Türkei und Äthiopien ihre universitäre Weiterbildung „Kontaktstudium: Pädagogische Kompetenz in der Migrationsgesellschaft“ erfolgreich abgeschlossen. An der Goethe-Universität erhielten sie bei einer offiziellen Feier nun ihr Zertifikat – sowie jede Menge persönliche Anerkennung, die Mut macht.
Die zehnmonatige Qualifizierung mit Fokus auf Soziale Arbeit und Erziehungswissenschaften wird von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg geleitet und am Standort Frankfurt am Main in Kooperation mit der KUBI Gesellschaft für Kultur und Bildung gGmbH und der Goethe-Universität mit Prof.in Dr. Merle Hummrich als Ko-Projektleiterin durchgeführt.
„Endlich als Fachkraft übernommen werden“
Der Absolvent Sayed Rahim Mosavi aus Afghanistan berichtet, dass die Anerkennung ausländischer Berufs-Qualifikationen in Deutschland immer noch sehr schwierig sei, obwohl Fachkräfte gerade im Bereich Pädagogik dringend gesucht würden. Sayed musste 2021 als Ortskraft der Bundesregierung seine Heimat in Afghanistan verlassen und kam mit seiner Familie nach Deutschland. Trotz Studienabschlüssen in Erziehungswissenschaft und Business Administration bekam er keinen adäquaten Job und fing als Sozialbetreuer in einer Erstaufnahmeeinrichtung an. Nebenbei suchte er weitere Möglichkeiten, engagierte sich etwa ehrenamtlich als Laiendolmetscher und im Ausländerbeirat. „Das Kontaktstudium war für mich dann ein Glücksfall. Durch dieses Zertifikat werde ich nun als Fachkraft übernommen“, berichtet der Familienvater und fügt hinzu: „Berufsbegleitend will ich noch Soziale Arbeit studieren.“
Effizient für Arbeitsmarktteilhabe seit mehr als 20 Jahren
Die Weiterbildung „Kontaktstudium“ wurde 2004 von der Uni Oldenburg ins Leben gerufen, um gut ausgebildeten Migrant:innen und Geflüchteten den Zugang zu qualifizierten Berufstätigkeiten zu erleichtern. Inzwischen wird das Programm an drei Standorten Bremen, Hannover und Frankfurt am Main angeboten. Die Teilnehmenden verfügen bereits über eine Ausbildung, Studienleistungen oder Erfahrungen in pädagogischen oder sozialen Berufsfeldern aus ihren Herkunftsländern.
Finanzierung sichern – langfristig gut ausgebildete Fachkräfte gewinnen
Aktuell wird das „Kontaktstudium“ durch Mittel der Europäischen Union kofinanziert und vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt über den DAAD finanziell gefördert. Für die Teilnehmenden ist es kostenfrei. Die Förderphase endet vorerst Mitte 2028. Aufgrund des nachweislich hohen Wirkungsgrades der universitären Weiterbildung durch direkte Anschlüsse der Teilnehmenden in Studium oder Ausbildung bzw. nahtlose Übergänge in qualifizierte Stellen wird von allen beteiligten Institutionen eine langfristige Finanzierungssicherung angestrebt.
Neueste Kommentare