Was bedeutet Einwanderungsland? Unsere Gedanken zum Jahrestag am 30. Oktober

Mehr als 30 Prozent der Menschen in Deutschland haben eine Migrationsgeschichte. Viele eine türkische, auch aufgrund des Anwerbeabkommens vor 65 Jahren. Deutschland ist schon lange ein Einwanderungsland. Jedoch wird mit einem politischen und verantwortungsbewussten Bekenntnis dazu spürbar gehadert. In den 60ern und heute immer noch.

Allein rund 860.000 Menschen aus der Türkei haben als erste Generation in Deutschland jahrelang mitgeholfen, den Wohlstand aufzubauen, von dem wir heute noch profitieren. Dass ihnen in diesen Tagen offiziell gedankt wird, ist wichtig. Viele sind mit ihren Familien in Deutschland geblieben. Sie alle und auch Millionen weiterer zugewanderter Menschen sollen sich hier als Deutsche zuhause und zugehörig fühlen.

Als sozialer Bildungsträger haben wir täglich mit den Chancen und Herausforderungen einer zunehmend internationalen Gesellschaft zu tun. Sei es in Schulen, Familien oder Unternehmen. Wir stellen fest: Was offensichtlich in unserem Land dringend fehlt, ist ein offener und kritischer Dialog darüber, was heute Deutschsein genau bedeutet, für wen dies gilt und was wir damit verbinden.

Unser Land braucht eine klare Strategie, wie wir als Vielfaltsgesellschaft ein gutes, demokratisches Miteinander gestalten können. Der Staat trägt die Verantwortung dafür, die Lebensrealität eines Einwanderungslandes mit passender Kultur und Bildung zu begleiten.

Dazu gehören für uns Chancengerechtigkeit, Spracherwerb, Anerkennung von Qualifikationen und Erfahrungen. Vor allem aber: wirksame Strukturen für gesellschaftliche, kulturelle und politische Teilhabe!